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Ausstieg aus der Kernenergie – Es ist höchste Zeit
Man riecht sie nicht, man schmeckt sie nicht und wenn man sie spürt, dann ist es längst zu spät. Keine Warnung wird rechtzeitig genug kommen und Millionen werden in den nächsten Jahrzehnten daran elendig zugrunde gehen. Ein Horrorszenario was es in Deutschland nie geben wird, sollte man meinen; doch weit gefehlt! Die Rede ist nicht von irgend einem Bombenattentat mit schmutzigen Bomben von fundamentalistischen Terroristen, sondern von hinterhältigeren Schwerstverbrechern, wie sie die Welt seit dem Ende des zweiten Weltkrieges nicht mehr gesehen hat.
Eine Wolke, so tödlich wie eine Atombombe! Und sie wurde nicht mal hinterhältig gezündet. Nein, unsere eigene Bundesregierung hat es zu verantworten, wenn sie wirklich kommt. Sie unterschrieb die Verträge dazu – ganz freiwillig. Wer als Kind mit dem Unglück in Tschernobyl aufgewachsen ist, den glühenenden Atommeiler im Fernsehen gesehen hat und aus einer Region kommt, wo Tausende Tonnen radioaktivem Mülls jährlich in unsicheren Schächten „verklappt“ werden, der weiß genau, worüber dieser Artikel handelt: Angst!
Vor dem immer realistischer werdenden Supergau in eines der 17 bundesrepublikanischen Atomkraftwerken, die Gefahren der nuklearen Verseuchung durch Zwischen.- bzw. Endlager und ihrer (Spät)Folgen.
Als Bundeskanzlerin Merkel und Wirtschaftsminister Brüderle letztes Jahr Geheimverträge mit der Atomlobby unterschrieben, wussten sie genau, dass die zur Zeit in Betrieb stehenden Atommeiler nahezu alle schrottreif sind und es an purem Wahnsinn grenzt, die Laufzeit der AKWs nochmals im Durchschnitt um 12 Jahre zu verlängern. Da helfen auch nicht die max. 500 Millionen Euro pro AKW als Reparaturmaßnahmen. Geld, was sonst übrigens in Öko-Energiefonds beflossen wäre. Gab es in den vergangenen Jahren immer mehr Störfälle, die gerade noch im letzten Moment behoben werden konnten, so sind die neuen Verträge nur ein weiteres Indiz dafür, wie sehr die Lobbistengruppen der Atomfirmen die bundesrepublikanischen Politiker in ihrer Hand haben. Mit scheinheiligen Argumenten wie etwa „dem Verlust der 300.000 Arbeitsplätzen“, den die Branche vorzuweisen hat, versuchen diese die Gesetzgeber auf ihren Kurs zu bringen. Mit Erfolg wie man sieht! Steckt hinter den Betreibern auch eine nicht unerhebliche Machtposition in Form des Geldes bzw. der daraus resultierenden Steuern. Ein AKW erwirtschaftet pro Tag etwa eine Million Euro, mal 17, mal 365 Tage sind am Ende satte 6,2 Mrd Euro im Jahr.
Vor allem die 4 größten Firmen RWE, E.On, Vattenfall und EnBW verdienen kräftig am unsicherem Geschäft mit dem nuklearem Strom und üben einen gewaltigen Druck auf die Bundesregierung aus. Stellen sie zusammen immerhin fast 82% der deutschen Kraftwerkskapazitäten dar. Was sind dagegen die erhöhten Raten an Krebsfälle rund um AKWs, End.- bzw. Zwischenlager? Vertretbar. An die Umweltverseuchung der über Jahrtausende strahlenden Kernbrennstäbe wird nur platonisch und aus Kostengründen nachgedacht.
Geradezu ironisch wirkt da die Nichtfreigabe von ein wenig radioaktivem Müll aus dem ehemaligen Kernforschungszentrum in Rossendorf bei Dresden nach Majak in Russland, weil dieser dort angeblich nicht sicher entsorgt werden könne. Hat man unter der eigenen heimischen Erde Tausende Fässer mit mittel und stark verstrahlten Müll aus AKWs zu verantworten, die trotz durchgehender Proteste und Warnungen von Forschern seit Jahrzehnten dort „entsorgt“ werden. Die Kosten für die notwendige Bergung der Fässer wird die Bundesregierung in nicht allzu weiter Ferne in arge Bedrängnis stürzen und diese wird sie dann natürlich wieder auf die Bundesbürger verteilen.
Als die AKWs in Betrieb genommen wurden, versuchte die Atomlobby diese Art von Energiegewinnung als umweltfreundlich zu verkaufen. Im Gegensatz zu Braun.- und Steinkohle schien es auch so zu sein. Fraßen sich die Bagger der im Tagebau eingesetzten Unternehmen doch tief in die heimischen Böden, verschlungen Quadratkilometerweise bestes Ackerland und vernichtete somit die Existenzgrundlage von Bauern sowie Lebensbedingungen von vielen Tier und Pflanzenarten in der Region. Es schien eine Erfolgsgeschichte zu werden, aber wie so vieles in der westlichen Wertegesellschaft ist nicht alles Gold was glänzt. Die Kehrseite folgte nicht erst seit dem Unfall in Tschernobyl. Plötzlich war sie da, die Wolke die über weite Teile Osteuropas hin wegfegte und die Partikel aus der verbrannten Stein.- und Braunkohle die Luft in manchen Orten unzumutbar machte.
Das hat so manchen zum Nachdenken angeregt und die Frage aufgeworfen: Wie können wir umweltfreundlich Energie herstellen, um endlich von der gefährlichen nuklearen Stromgewinnung bzw. dem dreckigen Tagebergbau wegkommen?
Die Antwort ist eigentlich nicht schwer. Erneuerbare Energien ist die Lösung. Dezentralisiert, auf lokaler Ebene produziert. Sie schaffen regional Arbeitsplätze und machen die trägen AKWs überflüssig. Im Jahre 2009 kamen nur etwa 17,3% des Stromes aus Erneuerbaren Energien (welche aus Wind.- und Sonnenenergie, Biomasse, Wasserkraft und Geothermie besteht), 24,9% aus Atomkraftwerken und ganze 57,8% aus fossilen und sonstigen Energieträgern. Zwar werden die Erneuerbaren Energien zuerst per Gesetz (EEG) in die deutschen Stromnetze gepumpt, doch wird die tägliche Leitungskurve überschritten, so werden diese sofort wieder aus dem Netz genommen, weil die AKWs und Braunkohlekraftwerke nicht einfach so abgeschaltet werden können. Sie laufen dauerhaft und müssen zwischen 15-24 Stunden nach der Abschaltung stillstehen. Um wieder ihre volle Leitung zu erzielen, benötigen die Kernkraftwerke sogar bis zu 2 Tage Anlaufzeit. Das macht diese so ineffizient. Unterliegt doch der Tagesverbrauch an Strom regelmäßiger Schwankungen. Morgens, mittags und abends ist der Verbrauch am höchsten, in der Nacht am geringsten. Im Moment dienen Steinkohle sowie Erdgas dafür, um die Spitzen beim Tagesverbrauch abzudecken.
Erneuerbare Energien mit ihren Turbinen.- Druckluftkraftwerken, Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, Wind.- und Solartechnik sowie Biogasanlagen können hier viel besser und kostengünstiger gesteuert werden und haben ausserdem eine effizientere Regelkapazität.Wirtschaftlich gesehen sind also die alten AKWs und Braunkohleverbrennungsanlagen ein Klotz am Beim der modernen Energieerzeuger und aus umweltfreundlichen Gründen sowieso von vornherein abzulehnen.
Allerdings können diese auch jetzt noch nicht einfach so abgeschaltet werde, die Bundesregierung hatte es seit vielen Jahren verseumt ein funktionierendes Alternativnetz, unabhängig von den großen Firmen, aufzubauen. Sie schlief genauso wie bei den Endlagern. Zuerst muss ein regionales Stromversorgungsnetz mit z.B. regenerativen Kombi. – oder Blockheizkraftwerken aufgebaut und Energiespreicher installiert werden, wo lokale Stromerzeugungsanlagen ihre überschüssige Energie einspeisen können. Hierzu muß weiter intelligente Technologie zur Koordination der verschiedenen Stromerzeugerquellen entwickelt werden. Die heute in der Regel noch recht uneffizienten und lauten Onshore-Windkraftanlagen können mittlerweile umgerüstet werden und sind damit in naher Zukunft ein wichtige Faktor bei Erneuerbaren Energien. Gerade auf dem Land, wo es ausser Solarenergie und Biogas kaum alternative Energiequellen gibt, würden sie ein guter Ausgleich zum weit hergeholtem Atomstrom sein. Zumindest bis weitere Energiequellen deren Ablösung aus dem Landschaftbild möglich machen. Etwa 21.000 von diesen unästätische Windanlagen versorgen die Kommunen mittlerweile mit Strom.
Man sagt, das wenn die Stromerzeugung zu 50% aus Erneuerbaren Energien gedeckt ist, dann könnten die ersten Atomkraftwerke abgestellt werden! Geld regiert nunmal die (heutige) Welt und so liegt es auch an uns dazu beizutragen, das die großen Konzerne ihre Monopolstellung verlieren und im Gegenzug die kleinen Naturstom-Erzeuger gestärkt werden. Wer weiter eigene Gebäude oder sogar einen Hof hat, könnte auf Photovoltaik-Strom umzuschalten und somit das lokale Netz entlasten.
Die Eingangs erwähnte dezentrale Energieversorgung ist demnach eine große Gefahr für die Geschäfte der Konzerne. Sie basteln darum bereits jetzt an einem Monopolmarkt im Bereich der Erneuerbaren Energien. Am Beispiel der Offshore-Windparks vor unseren Küsten & Solarparks in vielen Regionen des Landes kann man es am deutlichsten sehen. So versuchen die selben Firmen: E.on, RWE, EnBW und Vattenfall ihre Anlagen so schnell, wie nur möglich im harten Wettkampf hochzuziehen. Der Markt ist heiß umkämpft und die Rechte hierzu teuer erkauft. Wenn die Atomkraftwerke dann endlich (hoffentlich ohne einen Supergau) abgestellt werden können, wird „nur noch“ ihr Abfall für Jahrtausende strahlen und von einem Ort zum anderen gekarrt werden. Die Firmen, welche im Moment alles versuchen, den Ausbau des dezentralen Energienetzwerkes zu sabotieren, neue Entwicklungen aufgekauften, um diese dann ihren Schreibtischubladen verschwinden zu lassen, denen wird es auch in Zukunft an nichts mangeln, um unsere Bundesregierung mit fadenscheinlichen Argumenten gefügig zu machen.
Die direkten Betreiber von Kraftwerken sind aber nur der sichtbare Teil dieses schmutzigen Geschäftes mit dem Atomstrom. Hinter ihnen steht ein noch viel größerer Machtfaktor. Die Banken! Deutsche Bank, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und BayernLB sind hier als die größten Unterstützer der bundesrepublikanischen Atomlobby zu nennen. Kein Geschäft der großen 4 läuft ohne die Finanzierung durch sogenannte „Nuclear Banks“. Sie sorgen erst dafür, das Großprojekte möglich gemacht werden und natürlich verdienen sie kräftig an den Bauvorhaben mit. Zudem fördern sie den Abbau von radioaktivem Uran in Uranminen in der ganzen Welt. Hier fallen jedes Jahr abertausende von Tonnen giftigen Schlammes an, wodurch die Umwelt nahezu unwiderruflich zerstört wird. Die Deutsche Bank bietet zudem in skrupelhafter Weise seinen Privatkunden das S-Box Nuclear Power Index Zertifikat an, wo die Erträge der 20 führenden Atomfirmen gebündelt werden.
Genau wie bei dem Kauf von Strom liegt es an uns selber, als Verbraucher und politisch denkende Menschen, diesen Machenschaften ein Ende zu bereiten. Im Kleinen kann man wesentlich mehr erreichen, als man denkt. Der Wille zur Veränderung muß aber gegeben sein und dann daraus das Handeln. Man könnte bildlich gesprochen sagen: das Volk gegen etwa 5.000 registrierte Lobbyisten, die um die Gunst der 612 Parlamentarier in Berlin bulen.
Persönlicher Nachtrag: Der Verfasser dieses Artikels ist jetzt auf Naturstrom umgestiegen!
