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Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen – eine Hommage an den deutschen Niedriglohnarbeiter (Teil 1)

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Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen – eine Hommage an den deutschen Niedriglohnarbeiter (Teil 1)

Als ich vor vielen vielen Jahren mal einen SA-Roman mit Namen „Standarte X“ gelesen hatte, wo der Leiter der beschriebenen Standarte in einer Fabrik der „Weimarer Republik“ neben seinen Landsleuten für miesen Lohn schuften mußte und das Elend bzw. die Verhältnisse sah, da dachte ich mir: gut das es so was in Deutschland nicht gibt. Ja, in irgend welchen Zweite oder Dritte Welt Ländern, da kann das schon sein, aber doch nicht hier. Ich war jung, gerade in der Ausbildung, was wusste ich schon vom richtigem Leben?!

Damals gab es noch das von den bundesrepublikanischen Behörden so viel gepriesene Schlagwort „Soziale Marktwirtschaft“, ein Begriff der 1947 das erste Mal von Alfred Müller Armack als Dritten Weg bezeichnet und von Ludwig Erhardt geprägt wurde, dem „Vater der Sozialen Marktwirtschaft“.
Man setze es mit den Jahren gerne als Allheilmittel gegen alle anderen Wirtschaftssysteme ein. Natürlich vor allem gegen die Planwirtschaft der Kommunisten. So langsam schwenkte auch die damals noch sozialistisch geprägte SPD ein und nach kurzer Zeit waren alle Parteien Westdeutschlands auf Kurs – mit dem großen Bruder Amerika als Vorbild.

Da wuchs man jetzt halt so rein als junger Bub der Ende 80 – Anfang 90er. Die Goldenen Jahre der Sozialen Marktwirtschaft waren zwar auch schon längst vorbei, der Putz war ab, die Ausländer hießen zwar noch Ausländer, wurden aber immer mehr und waren vom Gesetzgeber bereits eine gesondert geschützte Minderheit. Der Ruhrpott mit seinen Braun.- und Steinkohle-Abbau lag am erliegen, viele Zechen wurden geschlossen und Arbeiter standen plötzlich zu Tausenden auf der Straße. Auch in anderen Bereichen stotterte der Motor der deutschen Wirtschaft. „Exportweltmeister“ waren wir ja schon immer; so lange ich denken kann. Wenigstens das funktionierte noch als Propagandamittel der Obigen. „Die Renten sind sicher“ tönte es damals aus dem gleichen Horn vom 2. Vorsitzenden des antirassistischen Vereins „GesichtZeigen!“ und ehemaligen Messdieners des heutigen Papstes, Norbert Blüm. Aber irgendwie wollte ihm schon damals niemand glauben. Die demographischen Zahlen sprachen einfach eine andere Sprache!

So ging es weiter, das Arbeitsklima wurde kälter. Nach meiner Ausbildung, Bundeswehrzeit und danach wieder im selben Betrieb, wo ich meine Lehre machte, zog es mich aus privaten Gründen nach Skandinavien. Hier erlebte ich eine andere Arbeitswelt. Der Chef höflich und locker, nicht von oben herab, der auch gerne mal selbst Hand anlegte, wenn Not am Mann war. Die Arbeit gut bezahlt. Auch hart und unter Konkurrenzdruck, gar kein Zweifel, aber die Arbeit hatte noch Wert. Nicht so in der Bundesrepublik. Wie ich von Freunden und Bekannten hörte, wurden hier die Löhne mit den Jahren systematisch und im großen Stil gedrückt (um nicht zu sagen gequetscht), Leute raus geworfen, um sie dann wieder mit einem Niedriglohn-Vertrag einzustellen. Für die selbe Arbeit wohlgemerkt. Zeitarbeit wurde eingeführt und die Firmen dieser Branche sprossen aus dem Boden wie Pilze, weil die Bundesregierung ihnen immer mehr Rechte einräumte, die ALLE auf dem Rücken der Arbeitnehmer aufgeladen wurden. Er hatte die Last zu tragen, schleppte sich nun von einem Job zum nächsten und befürchtete diesen auch noch zu verlieren. Viele „deutsche“ Unternehmen, die bereits damals nur noch vom Namen her deutsch waren und offiziell deutsche Produkte ablieferten (und die in Wirklichkeit zu großen Teilen meistens in der ganzen Welt zu Hungerlöhnen hergestellt wurden) führten eine eiserne Hand – an der Leine die Bundesregierung. Ihr Marketing bzw. Firmenphilosophie kam sowieso wiedermal aus den USA. „Ansonsten müssen wir halt mit unseren Firmen auswandern“, hieß es da pompös und gerade zu Herz zerreißend. Es brauchte nur von Flexibilität und Konkurrenz aus dem Ausland gefaselt werden und schon hatten sie die überdurchschnittlich entlohnten Gesetzesdurchwinker in ihrer Tasche. Das konnten diese dann der Presse auch gut verkaufen. Man wollte schließlich (und nicht zuletzt) wegen den hohen Renten mindestens ein zweites Mal ins Parlament gewählt werden. Da musste man den Firmen schon was bieten und den kleinen Mann irgendwie verkaufen. Ein Spagat, der nicht immer hinhaute.

Ach ja da war ja noch der Mauerfall, hatte ich jetzt ganz vergessen. Wie schimpften da so manche Westarbeiter über den Soli-Beitrag für den Aufbau Ost?! „Wir sollen jetzt auch noch für die zahlen“. Ich fragte da dann einfach mal so nach: „warum den eigentlich nicht? Sind doch schließlich auch Deutsche und den ging es doch noch beschissener als uns. Dafür gebe ich gerne die paar Mark her“, antwortete ich selbstbewusst, obwohl mir selber kaum was übrig blieb und ich jeden Pfennig wie meine Landsleute zweimal umdrehen musste. Sie konnten einfach nicht verstehen, wie die Treuhandanstalt (THA) deren Immobilien ganz offiziell, im Namen der brd, verscherbelte und sich gierige Westspekulanten sowie Immobilienhaie um den Rest der Beute rissen, diese verschlangen, um daraus noch Profit zu schlagen. Wiederum zum Leitwesen der „Ostdeutschen“. Das es unsere eigenen Landsleute waren, interessierte kaum jemanden. Zu tief saß die westliche Propaganda. Was bedeutete da schon die spärliche DDR-Mark, welche die Deutschen aus den neuen Bundesländern eins zu eins umgetauscht bekamen. Spätestens bei der ersten Kreditaufnahme zur Instandsetzung des halb zerfallenden Hauses oder nach dem Kreditkauf eines neuen Autos, war eh alle wieder gleich. In der Schuldenfalle der Banken, die mit hohen Zins und Zinseszins ihr Geld machen, ohne eine wirklich produktive Gegenleistung zu erbringen. Die Deutschen gerieten immer mehr in die moderne „Zinsknechtschaft“, wie es früher so hieß.

So war es vor meiner Rückkehr in die brd. Es gab nun keine Arbeitsstellen mehr, sondern „Jobs“, Arbeitsamt hieß jetzt „Agentur für Arbeit“ und die Deutsche Mark wurde ohne die Deutschen zu fragen einfach in den Euro umgewandelt, welcher alles doppelt so teuer machte. Den hier wandelten pfiffige Unternehmer und Bundesregierung nämlich die Mark mit dem Euro eins zu eins um. Was früher 1 Mark gekostet hatte, wurde nun für ein Euro verkauft. Was einem Aufschlag um nahezu 100% entspricht. Nur eben die Löhne der Arbeiter nicht, die wurden genausten, auf den letzten Cent, umgerechnet. Mit einem Schlag hatten deutsche Familien nur noch die Hälfte an dem vorher schon knappen Geld in der Tasche. Die Renten waren ebenfalls offiziell nicht mehr sicher, Versicherungen und Krankenkassen verlangten immer höhere Beiträge und wenn überhaupt noch was übrig blieb, dann konnte man zu den Billigmärkten hingehen, um wenigstens dort etwas zu bekommen. Wen wundert es, dass die ebenso wie die Zeitarbeitsfirmen nun an jeder Ecke zu finden sind. Den hier werden die Arbeiter natürlich zu Niedriglöhnen beschäftigt, ausspioniert und auf kleinste überwacht. Mir ist in den nun rund 2 Jahren, wo ich wieder in der brd arbeite, aufgefallen, dass je weiter unten man in einer Firmen-Hierarchie arbeitet, desto mehr wird man kontrolliert und erniedrigt. Was ja eigentlich total widersprüchlich ist, den wer am Geldhahn sitzt, kann ja auch mehr abzweigen. Wenn z.B. eine Arbeiterin bei Lidl mal einen alten Salat mit nach Hause nimmt, weil dieser nicht mehr verkauft werden kann und ansonsten sowieso weggeschmissen (oder im besten Fall an die Tafel weiter gegeben) wird, fliegt die gleich im hohen Bogen raus. Den selben Kopfsalat kann sie sich ja gleich von der Tafel holen. Ein Banker oder Manager in großer Firmen gekommen nach Millionenverlusten durch Spekulationen auch noch eine königliche Abfindung bzw. Rente zugesteckt.

„Hier läuft doch was grundsätzlich schief?!“, dachte ich mal wieder so bei mir.

Und es sollte noch viel schlimmer kommen… mehr dazu im 2. Teil unserer kleinen Reihe über das wirkliche Leben in der „Berliner Republik“. Zahlen und Fakten die erschrecken und den totalen Zerfall der Bundesrepublik Deutschland, dem Standort Deutschland, prognostizieren.