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Wir sprechen mit Axel Möller
Altermedia ist die in Deutschland (von Freund und Feind) bekannteste und am häufigsten gelesene Nachrichtenseite der Nationalen Medien. Wie sieht die Zukunft diesbezüglich aus? Kannst Du ein paar Zahlen sagen, damit die skandinavischen Leser eine Vorstellung haben, wie groß AM zur Zeit ist?
Na ja, die Präsenz Altermedia Deutschland wird es auch während meiner zeitweiligen Abwesenheit geben. Die Möglichkeit Artikel einzusenden und zu kommentieren besteht auch weiterhin. Mag sein, daß die bisher gewohnte Regelmäßigkeit und Ausführlichkeit zeitweise aus bekannten Gründen etwas abnimmt, aber die Leser wissen ja woran das liegt. Zudem steht es ihnen frei, sich selber auszuprobieren. Schließlich habe ich ja am Beginn meiner publizistischen Laufbahn auch nicht anders angefangen. Ich denke, wenn jemand in sich den Funken verspürt, über bloße Kommentierungen hinaus mitzuteilen, steht ihm mit Altermedia eine Möglichkeit zur Verfügung, sich auszuprobieren, denn es wird niemand kommen, um ihm zu sagen, schreib dieses oder jenes.
Die Zahlen schwanken, in Höchstzeiten hatten wir schon mehr als 20.000 Zugriffe am Tag, allerdings gibt es auch Durststrecken, wenn politisch nicht viel los ist. Ich denke, dies ist bei anderen Medien auch nicht anders. Was bei Altermedia jetzt auch viel mit ins Gewicht fällt ist natürlich der seit über einem Jahrzehnt zum Markenname gewordene Seitenname, wobei man nicht vergessen sollte, daß die Vorarbeit vom bereits 1997 entstandenen Störtebeker-Netz geleistet wurde, das bereits vor 2003 die erste nationale Netzadresse in Deutschland war. Die Zusammenlegung mit Altermedia wurde notwendig, nachdem der Gründer des Störtebeker-Netzes Peter Ströming an Krebs erkrankte und daher die technische Betreuung der Seite nicht mehr gewährleisten konnte.
Du wurdest ja nun endgültig zu einer Gefängnisstrafe von 2 1/2 Jahren verurteilt, für “Meinungsdelikte” die Du zu großen Teilen nicht mal selber geschrieben hast. Wie siehst Du dieser Zeit entgegen?
Mit Neugier, aber auch mit Gelassenheit. Es wäre übertrieben, wollte ich behaupten, daß ich das einfach so wegstecken würde, denn welcher Mensch geht schon gern ins Gefängnis. Ich mache mir auch keine Illusionen darüber, daß es unter Umständen hart wird, allerdings war ich zu DDR-Zeiten auch drei Jahre bei der Marine und bin daher auch manchen Knuff gewohnt, so daß ich mich unter Umständen auch in unangenehmen Situationen durchsetzen kann.
Im großen und ganzen ist es aber, so daß ich mich geistig schon sehr lange auf diese Zeit vorbereitet habe, da ich bereits seit Mitte 2007 jeden Tag damit rechnen mußte, verhaftet und eingesperrt zu werden. Weißt du, wenn man jeden Tag morgens kurz vor Sechs wach wird und in Richtung Tür lauscht, ob es um diese Zeit nicht an der Tür klingelt, dann verliert der Gedanke an Repression und Verfolgung allmählich den Schrecken und weicht der Routine.
Seit meinem Einstieg ins nationale Spektrum im Jahre 1992 war mir klar, daß es über kurz oder lang mal zu einer solchen Situation kommen konnte. Das gehört nun einmal mit zum Spiel, abgesehen davon sollte an dieser Stelle nicht vergessen werden, daß ich rund zwölf Jahre nahezu täglich die Möglichkeit hatte, vor wachsendem Publikum aller politischen Richtungen sagen zu können, was ich für wahr und richtig halte, ohne daß ich durch eine parteipolitische Zensur oder sonstige Gängelei zu leiden hatte. Das ist ein Geschenk, daß beileibe nicht jedem Publizisten zuteil wird, auch nicht im nationalen Spektrum, allerdings ist es auch nicht umsonst, da ein solcher Mann über kurz seinen Preis für soviel Freiheit zahlen muß, um auf diese Weise der Welt vor Augen zu führen, ob er den Beifall und das Vertrauen, aber auch den Haß seines Publikums verdient hat, oder ob es sich nur um einen virtuellen Windbeutel gehandelt hat, der lediglich nur Worte machte, von denen er nichts mehr wissen will, sobald ihm der Wind ins Gesicht weht. Mein Ziel ist es, diese Probe zu bestehen, ganz gleich wie sich die nächsten zweieinhalb Jahre auch entwickeln mögen.
Wer die bundesrepublikanischen Gefängnisverhältnisse für politische Gefangene kennt, der weiß, was die Gefängnisdirektoren als Rehabilitation fordern. Du hast diesbezüglich schon im Vorfeld klar gemacht, dass Du nicht willig bist, Deine Weltanschauung für ein paar Bequemlichkeiten abzuschwören. Vorzeitige Entlassung, trotz guter Führung, ist da wohl ebenfalls eher ausgeschlossen?
Ich gehe davon aus, daß ich meine Haftzeit bis zum letzten Tag absitzen werde. Kompromisse, welcher Art auch immer, auf Kosten meiner Weltanschauung wird es nicht geben.
4) Du wurdest ja schon vorher wegen Meinungsdelikten verurteilt und mußtst
Repressalien durchmachen. Nennen uns bittewelche und warum?
Meine erste Verurteilung stammt aus dem Jahre 1999. Seinerzeit hatte ich im jüdischen Hagalil-Forum ein Zitat aus den Liedern des kosmopolitischen Nachtwächters verwendet, in dem es hieß:
„Wohin ihr faßt, ihr werdet Juden fassen,
Allüberall das Lieblingsvolk des Hernn.
Geht, sperrt sie wieder in die alten Gassen,
Eh sie euch in die Christenviertel sperrn.“
Anlaß war damals die jüdische Hetze gegen Österreich, weil dort die FPÖ bei den Wahlen erstmals an einer Regierungskoalition beteiligt war. Dafür gab es dann eine Geldstrafe. – Später erfuhr ich dann, daß es das Buch in dem dieses Gedicht vorkommt, nicht nur als Buch käuflich in der BRD zu erwerben ist, sondern auch im Gutenberg-Projekt von SPIEGEL ONLINE veröffentlicht ist, wo man es als ganzes mit allen Strophen lesen kann. Sehr empfehlenswert.
2002 wurde ich dann zu einem halben Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt, weil ich die Gaskammer von Ravensbrück geleugnet habe. Aus rechtlichen Gründen ist es mir nicht erlaubt, näher darauf einzugehen. Nur soviel, sollte jemand von euren skandinavischen Lesern mal eine Stippvisite dorthin machen, so sollte er seinen Durchslagerführer mal fragen, wo die Gaskammer nach dem Krieg eigentlich abgeblieben ist, da sie immerhin im sogenannten Nürnberger „Hauptkriegsverbrecher“-Prozeß von der französischen Jüdin Vaillant-Couturier behauptet wurde, sie hätte diese nach der Befreiung des Lagers besichtigt. Bleibt die Frage, warum man dieses sagenhafte Beweismittel für die unsagbaren Verbrechen der Naziverbrecher hat verschwinden lassen, statt dieses als Denkmal ihrer Schande stehen zu lassen.
2010 gab es dann wieder eine Verurteilung zu einer Geldstrafe von 3000 Euro, die jetzt aber in die Haftstrafe mit eingeflossen ist. Es bleiben jedoch die „Zeugenkosten“, die noch über der Geldstrafe lieben, weil man die Überwachungskosten in diese hat mit einfließen lassen. Auch hier ging es ausschließlich nur um Meinungsdelikte. Als ich dagegen in Berufung ging und dabei durchaus in der Lage war, die meisten Anklagepunkte zu entkräften, erklärte mir der Berufungsrichter, daß es im Grunde egal wäre, wie viele Anklagen ich entkräften könnte, da er so oder so der Meinung ist, daß ich im vorhergehenden Verfahren zu niedrig bestraft worden wäre.
Mit anderen Worten, ich hätte zwar die Berufung ausfechten können, aber am Strafmaß hätte sich voraussichtlich nichts geändert und die Prozeßkosten wären noch mehr explodiert als es schon vorher der Fall war. Ich denke, die Prozeßkosten im Rostocker Verfahren werden auch nicht geringer ausfallen.
Wie kann man Dich unterstützen bzw. mit Dir während Deiner Haft in Kontakt kommen?
Nun, was die Unterstützung betrifft, so liegt dies im persönlichen Ermessen eines jeden Altermedia-Lesers oder Lesers eurer Seite, soweit sie mit meinen politischen Ansichten übereinstimmen und es mit sich ausmachen können, jemanden wie mich während der Haftzeit zu unterstützen. Ich habe da nichts zu fordern und auch nichts zu erbitten.
Wer mit den Verhältnissen politischer Gefangenschaft vertraut ist, wird schon verstehen, was ich damit meine.
Es gibt ja jetzt schon eine Solidaritätsseite für mich, auf der man näheres zu meiner Person und über den Prozeß erfahren kann. Auf dieser Seite – und natürlich auch auf Altermedia – wird zu gegebener Zeit dann auch die Haftadresse veröffentlicht. Es könnte sein, daß es sich um die JVA Franzenshöhe in Stralsund handeln wird, aber wie gesagt, mehr davon, wenn ich genaueres weiß. Bis dahin ist meine Adresse:
http://altermedia-deutschland-axel-moeller.info/
Axel Möller
Reiferbahn 4
18439 Stralsund.
Mit dem Haftantritt rechne ich im Dezember.
Eine letzte Frage für ein evtl. zukünftiges Projekt: wie würdest Du zu einer Art nationalen Deutschen Presseagentur stehen? Könnte da nicht eine große Konferenz von Medien-Machern bei helfen, um endlich mit einer Stimme sprechen zu können und um sich auszutauschen? Gerade im Bereich IT-Sicherheit von Weltnetzseiten sehen wir da erheblichen Nachholbedarf. Altermedia hatte ja schon des öfteren mit Hackattacken zu tun…
Eine einheitliche nationale Deutsche Presseagentur klingt zwar auf den ersten Blick gut, doch glaube ich nicht, daß es eine solche geben wird, weil bei einer solchen keine Unabhängigkeit der Berichterstattung gewährt ist, da es niemanden gibt, der eine solche gewährleisten kann. Eine solche Agentur könnte daher nur unter der Ägide einer größeren Partei oder Organisation stehen, die dann, da bin ich mir sicher, diese Möglichkeit nutzen würde, um das nationale Nachrichtenwesen zu monopolisieren und unter ihren Einfluß zu stellen. Vermutlich würde eine solche Presseagentur sich binnen kurzem ein regelrechter Wasserkopf auf Leuten bilden, die bislang publizistisch von eher untergeordneter Bedeutung waren und sich nunmehr nicht nur einbilden für alle sprechen zu können, sondern auch eine Form sicheren Taschengelds oder Broterwerbs gefunden zu haben. Ist man als Publizist aber erst soweit, verliert man nicht nur seine persönliche Unabhängigkeit, sondern auch seine Glaubwürdigkeit. Wie das in natura aussieht, kann man schon jetzt auf manchen rechten Netzseiten sehen, die sich nach außen hin politikfähig geben und die über alles herziehen, was aus ihrer Sicht im Verdacht steht, zu radikal oder gar „neo-nationalsozialistisch“ zu sein.
Ein Musterbeispiel für solch eine Berichterstattung ist dann beispielsweise der Altermedia-Prozeßbericht beim DeutschlandEcho vom 28. Oktober, der lediglich nur eine Kurzfassung eines Berichtes der linken ENDSTATION RECHTS ist und zwar im buchstäblichen Sinne.
Mit solchen Zeitgenossen kann es kein Miteinander geben, will man nicht als nützlicher Idiot enden, der dann später als Mohr der seine Schuld getan hat beiseite geschoben wird, wenn man ihn nicht mehr braucht.
Für meinen Geschmack riecht das Gerede von einheitlicher nationaler deutscher Presseagentur zu sehr nach Gleichschaltung. Gerade auf dem Gebiet der Publizistik sollte man aber schon auf Unabhängigkeit und Abwechslung achten. Was wirklich gut ist, setzt sich auch so durch und zwar durch Leistung und nicht durch Mitschleppen oder Gönnerschaft. Schließlich gibt es ja bereits genügend große Seiten für die jeder, der das möchte schreiben kann.
Allerdings verschwenden die meisten ihre Zeit lieber, ich muß mal harte Worte gebrauchen, mit absurdem Geschwätz in irgendwelchen Kommentarspalten, statt das durchaus vorhandene geistige Potential mal in einem Augenblick der Ruhe zu ordnen und in Form von vernünftigen Artikel einem wirklich breiteren Publikum zur Kenntnis zu bringen, als wertvolle Kraft und Zeit mit fruchtlosen Diskussionen mit dem ewiggleichen Kommentarspalten-Janhagel, den es auf allen politischen Webseiten gibt, zu vertun.
Wenn ich eine Gleichschaltung nationaler Publizistik jedoch auch entschieden ablehne, so bin ich jedoch durchaus dafür, daß sich Macher oder Vertreter namhafter nationaler Medien und Webseiten, soweit es die politische Übereinstimmung erlaubt, gelegentlich treffen, um über mögliche politische und technische Fragen zu reden. Dies könnte durch persönliches Kennenlernen manchen bisherigen Spannungen zumindest die oder wenigstens einen Teil der Schärfe nehmen, mit der man sich bislang ab und an das Leben schwer macht.
Allerdings bieten solche Treffen auch die Gefahr einer Unterwanderung durch den politischen Gegner, so daß man sich schon sehr, sehr vorsehen sollte, mit wem man da konferiert und ob das Verlassen der bisherigen Deckung wirklich sinnvoll ist. Das wäre die ebenfalls zu beachtende Kehrseite der Medaille eines solchen Treffens. Von diesem Aspekt aus betrachtet, würde ich dann vor größeren Treffen doch eher waren, zumal die Kommunikationsmöglichkeiten es heute erlauben, wichtige Fragen auch auf anderem Wege zu klären. Manchmal genügt es eigentlich schon, wenn man denjenigen welchen einfach nur anspricht und fragt, der Rest findet sich von selber und ganz ohne Beobachtungsmöglichkeit von außen, aber wie gesagt, jeder kennt die mögliche Brisanz oder Nichtbrisanz seines Mediums selber und muß wissen, was für ihn gut ist.
Wir vom Nordisches Hilfswerk wünschen Dir viel Kraft im Durchhalten von sicherlich kommenden Repressionen!
Danke, ich werde mich bemühen, das Publikum nicht zu enttäuschen.

